Die grössere Rolle der Landwirtschaft im Schweizer Klimaschutz

Die Landwirtschaft spielt eine überraschend zentrale Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Obwohl sie nur rund 10 % der Schweizer Treibhausgasemissionen verursacht, ist sie gleichzeitig ein Schlüsselakteur für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels – und ein potenzieller Hebel für die Dekarbonisierung. Während die Industrie und der Verkehr oft als Hauptverursacher gelten, zeigt die Praxis, dass eine intelligente Agrarpolitik nicht nur die Emissionen senken, sondern auch die Biodiversität stärken und die Ernährungssicherheit langfristig sichern kann.

Ein zentraler Hebel ist die Umstellung auf nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden. Seit 2017 fördert das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Programme wie die „Agenda 2050“, die Landwirten helfen, ihre Betriebe klimaneutraler zu gestalten. Besonders erfolgreich sind dabei die Umstellung auf extensive Weidehaltung, die Reduktion von Tierhaltung in Massentierhaltung sowie die Integration von Agroforstwirtschaft. Laut einer Studie der ETH Zürich könnten allein durch die Umstellung von 50 % der Schweizer Ackerflächen auf multifunktionale Systeme die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft um bis zu 30 % reduziert werden – ohne die Erträge zu gefährden.

Doch die Herausforderungen sind gross. Die Schweiz steht vor der Aufgabe, ihre Landwirtschaft auf die Klimaziele des Pariser Abkommens einzustellen, ohne die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu gefährden. Ein Beispiel ist die Milchwirtschaft: Während die Produktion pro Liter Milch seit 2000 um 12 % gesunken ist, steigt der CO₂-Ausstoß pro Liter um 1,5 % pro Jahr. Hier setzt die Branche auf innovative Technologien wie klimaneutrale Stromversorgung für die Milchkühe und die Nutzung von Biogas aus Reststoffen. Der Schweizer Milchverband hat sich bereits verpflichtet, bis 2030 die Emissionen um 30 % zu senken – ein ambitioniertes Ziel, das nur durch gezielte Subventionen und Forschung umsetzbar ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Rolle der Landwirtschaft bei der CO₂-Speicherung. Durch die Wiedervernässung von Mooren oder die Aufforstung von Ackerflächen können Landwirte aktiv gegen den Klimawandel wirken. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) schätzt, dass die Schweiz jährlich rund 10 Millionen Tonnen CO₂ speichern könnte, wenn mehr Flächen in multifunktionale Systeme umgewandelt werden. Gleichzeitig kann die Landwirtschaft als Puffer für extreme Wetterereignisse dienen – etwa durch die Bewirtschaftung von Hochwasserrisikogebieten.

Die grösste Herausforderung bleibt jedoch die politische Umsetzung. Während die EU mit dem „Green Deal“ klare Vorgaben setzt, fehlt in der Schweiz eine vergleichbare, verbindliche Agrarpolitik. Stattdessen dominieren oft kurzfristige Interessen von Lobbygruppen, die gegen strengere Regeln protestieren. Doch die Realität zeigt: Ohne radikale Veränderungen wird die Landwirtschaft in der Schweiz nicht in der Lage sein, ihre Klimaziele zu erreichen. Ein konkretes Beispiel ist die Debatte um die Ausweitung der Biogasproduktion – während einige Betriebe profitieren, werden andere durch hohe Subventionskosten benachteiligt.

Um den Wandel voranzutreiben, braucht es eine Kombination aus technologischen Fortschritten, finanzieller Unterstützung und einer klaren politischen Priorisierung. Die Landwirtschaft muss nicht nur klimafreundlicher werden, sondern auch als Teil einer widerstandsfähigen, nachhaltigen Wirtschaftskultur verstanden werden. https://www.gransino-online.ch/ zeigt in seinen Berichten, wie regionale Initiativen wie die „Schweizer Agrarallianz“ oder die „Landwirtschaft für Klima“ bereits konkrete Lösungen entwickeln – von der Entwicklung von Düngemitteln mit geringem Methanausstoß bis hin zur Förderung von Agroforstwirtschaft.

Die Zeit drängt. Die Schweiz muss sich von der Rolle als „Klimaskeptiker“ befreien und seine Landwirtschaft als einen der wichtigsten Hebel für die Klimaneutralität bis 2050 akzeptieren. Nur so kann sie nicht nur ihre Ziele erreichen, sondern auch als Vorreiter in der nachhaltigen Landwirtschaft weltweit gelten.

  • Die Landwirtschaft verursacht in der Schweiz rund 10 % der Treibhausgasemissionen, doch sie kann bis zu 30 % der Emissionen durch multifunktionale Systeme reduzieren.
  • Die Milchproduktion pro Liter ist seit 2000 um 12 % gesunken, während der CO₂-Ausstoß pro Liter um 1,5 % pro Jahr steigt.
  • Die Schweiz könnte jährlich bis zu 10 Millionen Tonnen CO₂ durch Aufforstung und Wiedervernässung speichern.
  • Ohne radikale politische Maßnahmen wird die Landwirtschaft in der Schweiz ihre Klimaziele nicht erreichen.
  • Die Biogasproduktion wird durch hohe Subventionskosten für einige Betriebe belastet.

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